Begeistertes Publikum spendet viel Applaus — und Geld

Passauer Neue Presse, 27. April 2009 von Marita Pletter

Blinde Musiker München geben mitreißendes Konzert in der Pockinger Stadthalle — 450 Zuschauer begeistert — Besucher spenden 1400 Euro

Pocking. 450 Besucher sind am Freitagabend zum Konzert der Blinden Musiker München in die Stadthalle gekommen. Und deren „ehrenamtlicher Manager" für die niederbayerische Region, Konstantin Rehm aus Pocking , selbst von Geburt an blind, hätte überhaupt nicht „aufgeregt" sein müssen in Anbetracht dieses „Heimspiels", wie er sagte, des von ihm so favorisierten Münchner Ensembles. Denn er zeigte sich nach zwei Stunden nicht nur glücklich und zufrieden unter dem Eindruck eines hinreißenden musikalischen Erlebnisses, sondern auch dankbar ob der großzügigen Pockinger Bevölkerung, „die mich nicht enttäuscht hat".

1400 Euro an Spenden legten die Konzertbesucher am Ausgang in die Körbchen. Darüber hinaus hatten das Autohaus Huber und die Rottaler Raiffeisenbank die Veranstaltung unterstützt. Die Stadt Pocking hatte die Stadthalle kostenlos zur Verfügung gestellt. Dafür erhielt Bürgermeister Franz Krah vom Bezirksgruppenleiter des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes, Walter Bichlmeier, das Buch „Durch Nacht zum Licht", welches die Geschichte des Verbandes dokumentiert.

Eingedenk der so sensitiv zur Aufführung gebrachten Musikliteratur befand Raiffeisenbank-Prokurist Stefan Dorn, wie „eindrucksvoll" es sei, zu erleben, „was man mit einer Behinderung zu leisten" vermöchte, gebe es doch damit für jeden Nichtbehinderten die Hoffnung, eine potenziell ähnliche Situation im eigenen Leben gleichfalls bewältigen zu können. Und das über zwei Stunden hinweg aufmerksam und gefesselt lauschende Publikum schien solches nachzuvollziehen. Denn: „Es ist mir längst klar, dass nichts bleibt, dass nichts bleibt, wie es war ..." sang auch Marco zur Gitarre aus „Heute hier, morgen dort ...".

Es war ein kurzweiliges Konzert voller Abwechslung und angenehmer Überraschungen mit kleinen und großen Highlights im facettenreichen Repertoire. Nicht nur Rehm sprühte vor Humor: „Zwei blinde Moderatoren, sieben blinde Musiker und ein Bürgermeister — wo sonst können Sie das erleben?" Auch die jungen Künstler selbst, die sich ablösten bei der Moderation ihrer Stücke! Letztere umspannten die Zeitepochen und Stilrichtungen auf kunterbunt turbulente, gleichwohl stilvolle Weise: instrumental, gesangssolistisch wie chorisch im A-cappella-Gesang der weich ineinander fließenden Stimmen.

Da ging es vom Prelude aus Marc Antoine Charpentiers Te deum über der Flying Pickets' „only you", die Filmmusik aus „König der Löwen", Jeremiah Clarks „Prince of Denmark-March", ein Potpourri der Comedian Harmonists bis hin zur wehmütig alten deutschen Volksweise „Wir lieben sehr im Herzen" und „Ich war noch niemals in New York".

„Fast bis nach New York" titelte denn auch die zweite CD der Blinden Musiker, und schon wieder haben sie eine rausgebracht: mit Weihnachtsliedern.

Denn die Zeit rast. Und bevor als Zugabe unter lang anhaltendem Applaus der legendäre Gummi-Mambo ausgeklungen war, hatten die sieben (einer war erkrankt) — unterstützt von den zwei sie rührend betreuenden Zivildienstleistenden Benedikt und Christian — alles gegeben: die virtuose Flötistin Astrid, die Inderin Lourdes am Schlagzeug, die Bläser und Marco, die „Stimme" der Truppe , als er zur Gitarre sang: „Über den Wolken".