Mahnwache mit besonderer Note

Weinheimer Nachrichten vom 13.04.2011 von Jürgen Drawitsch

WEINHEIM. Bei einer Mahnwache tanzen? Das kommt sicherlich nicht alle Tage vor. Gestern aber war so ein Tag in der Weinheimer Lukasgemeinde. Eckhard Grebenstein war so begeistert von der Musik der Blinden Musiker München, dass er sich eine Tanzpartnerin schnappte und vor dem Gemeindehaus eine kesse Sohle aufs Pflaster legte.

Nun ja, genau genommen war die 124. Mahnwache zu diesem Zeitpunkt bereits beendet, und sie hatte sich ohnehin von allen vorangegangenen unterschieden, denn die sieben blinden Musikanten aus der bayerischen Metropole begleiteten die Kirchenlieder. Bei der Andacht unter freiem Himmel erklangen zwei Tenorhörner, ein Euphonium und drei Trompeten. Beim traditionellen Schlusslied der Mahnwache mit dem Titel „Ich träume eine Kirche“ gab Lourdes de Melo sogar an der Trommel den Rhythmus an.

Dass die Blinden Musiker München das Kunststück fertig brachten, ein ihnen völlig unbekanntes Stück zu begleiten, spricht bereits für die Qualität der Band. „Innerhalb von zwei Stunden war es einstudiert“, sagte Organisationsleiter Johannes Gruber, der die sieben Musiker auf ihrer Reise begleitet. Gestern Vormittag hatten sie in einer Ilvesheimer Schule ihren Auftritt. Am Abend waren sie gerne bereit, die Mahnwache der Lukasgemeinde mit zu gestalten und dabei auch Werbung in eigener Sache zu machen. Im Oktober werden sie wiederkommen und im Rahmen eines Abendgottesdienstes einen Auftritt in der Lukasgemeinde haben. Der genaue Termin muss noch festgelegt werden.

Fest steht, dass die jungen Musiker exzellent ausgebildet sind. Im Anschluss an die Mahnwache zeigten sie bei bayerischen Volksstücken, dem Hit „Ich war noch niemals in New York“ von Udo Jürgens oder „Summertime“ von George Gershwin, dass sie in vielen Stilrichtungen sattelfest sind.

Während die Musiker eine kräftige Puste bewiesen, haben die Gemeindemitglieder von Lukas einen langen Atem. Rund 50 Personen kamen gestern zur Mahnwache, die jeden Dienstag um 19 Uhr veranstaltet wird, um ein Zeichen gegen die drohende Schließung und Fusion mit der Markusgemeinde zu setzen.

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